Geronto- und Neuropsychiatrie
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Die Gerontopsychiatrie befasst sich mit der Diagnostik und Therapie von geistigen und seelischen Störungen. Hierzu gehören vor allem depressive Störungen, psychotische Erkrankungen, dementielle Syndrome, Suchtkrankheiten und schwere Persönlichkeits-Störungen. Bei einer Gesamtprävalenz von ca. 30% psychischer Störungen im Alter entfallen ca. 13% auf depressive Störungen, 14% auf dementielle Erkrankungen, 1% auf schizophrene Störungen und 2% auf Suchterkrankungen.
Für die Diagnostik und Behandlung von Gesundheitsstörungen auch in der Geriatrie (Altersmedizin) ist seit längerem das „Kompetenzmodell" als sowohl günstiger, aber auch humaner erkannt worden. Dieses lenkt den Blick auf Ressourcen und Fähigkeiten des Patienten, nutzt diese aus und baut sie gezielt auf.
Psychotherapeutisch ist die Klinik in ihren Behandlungs- und Pflegekonzepten auf einen verhaltensmedizinischen Ansatz ausgerichtet, integriert darin aber auch tiefenpsychologische und systemisch-familientherapeutische Aspekte, um so ein komplexes Verständnis des jeweiligen Patienten zu entwickeln. Die psychotherapeutischen Zielsetzungen werden in Einzel- und Gruppensettings umgesetzt. Dabei sind wichtige Ziele Aktivierung, sozialer Kompetenzaufbau, Wiederherstellung der Ich-Funktionen, Stabilisierung vorhandener Kompetenzen, Aufbau neuer Aktivitäten, Akzeptanz von Einschränkungen und Abbau dysfunktionaler Verhaltensweisen und Kognitionen.
Die Pflege ist „aktivierend", ganzheitlich ausgerichtet und ressourcenorientiert. Die intensive Beziehung zwischen Patienten und Mitarbeitern wird durch Bereichspflege, Bezugspersonensystem und der Orientierung an einem Selbständigkeitsmodell gestaltet. Pflegerische Handlung setzt demnach erst ein, wenn der Patient sich nicht mehr selbst versorgen kann. Dabei ist in der Beziehungsgestaltung Einfühlungsvermögen und ein respektvoller Umgang, der das Selbstwertgefühl stärkt, besonders bedeutsam. Körperbezogene, erlebnisaktivierende und lebenspraktische Trainingseinheiten dienen denselben Zielen.
Die vielfältigen sozialen Belastungen und komplizierten versicherungstechnischen und spezifischen juristischen Probleme Älterer werden durch Sozialpädagogen in Zusammenarbeit mit den Angehörigen gelöst oder zumindest gemildert.
Stationäre Gerontopsychiatrie sieht sich als Teil eines eng miteinander kooperierenden Versorgungsnetzwerkes mit Angehörigen, teilstationärer und ambulanter Versorgung, niedergelassenen Haus- und Fachärzten, Sozialstationen, sozialpsychiatrischen Diensten sowie Heim- und Pflegeeinrichtungen.
Das vollstationäre Angebot dient grundsätzlich der Behandlung aller psychischen Störungen. Besonders aufwendig ist die Behandlung schwer kranker Patienten, für die ein hoher personeller und apparativer Aufwand vonnöten ist, der im ambulanten Bereich nicht geleistet werden kann. Besondere Beachtung verdient die Krisenintervention bei schweren, mit Suizidalität einhergehenden Depressionen oder die Behandlung ausgeprägter Verhaltensstörungen im Rahmen dementieller oder psychotischer Störungsbilder. Dauerhaft bettlägerige Patienten profitieren dagegen vom Setting einer gerontopsychiatrischen Station in der Regel nicht.
Multimorbidität beschreibt das Phänomen, daß bei Älteren häufig mehrere Störungen von Krankheitswert gleichzeitig bestehen, und daß sich dabei Krankheiten aus allen medizinischen Fachrichtungen finden, die sich gegenseitig negativ beeinflussen können. Dies stellt eine der wichtigsten Herausforderungen der Gerontopsychiatrie dar, nämlich diesen verschiedenen Ebenen mit ihren multiplen Einflüssen auch auf das psychische Erleben diagnostisch und therapeutisch gerecht zu werden. Dies erfordert eine zusätzliche neurologisch/internistische und intensive pflegerische Versorgung, die sich auf Grund-, Behandlungs- und Psychiatrische Pflege bezieht.
Deshalb ist im gerontopsychiatrischen Team die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen und Disziplinen besonders notwendig. Dazu zählen Ärzte und Pflegekräfte, Psychologen, Sozialarbeiter, Physio-, Ergo- und Musiktherapeuten sowie die Klinikseelsorger. Die enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen und Partnern ist für uns selbstverständlich und trägt zum Behandlungserfolg wesentlich bei.
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